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Magnesium und Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)

Mittlerweile sind mehr als 8,9 Millionen Menschen in Deutschland von Diabetes Typ 2 betroffen; eine geschätzte Dunkelziffer von mindestens 2 Millionen noch nicht eingerechnet. Und jedes Jahr kommen etwa 450.000 Neuerkrankungen hinzu.1 

Ein Diabetes sowie seine diversen Folge- und Begleiterkrankungen sind mit persönlichem Leid, einer verringerten Lebensqualität und geringeren Lebenserwartung verbunden – Grund genug, alle Hebel in Bewegung zu setzen, dieser Zivilisationskrankheit möglichst vorzubeugen. Entscheidend ist dabei vor allem die Vermeidung von Übergewicht in Kombination mit ausreichend Bewegung. Zudem zeigen immer mehr wissenschaftliche Studien, dass auch eine schlechte Versorgung mit Magnesium das Risiko erhöht, an Typ-2-Diabetes zu erkranken.2–5

Warum kann Magnesiummangel die Entwicklung eines Typ-2-Diabetes begünstigen?

Magnesium wird für die Blutzuckersenkung, speziell für den Transport des Zuckers aus dem Blut in die Zellen benötigt. Ist der Körper nicht ausreichend mit Magnesium versorgt, reagieren die Körperzellen weniger empfindlich auf das körpereigene Hormon Insulin, das für den Zuckerabbau zuständig ist. Man spricht auch von einer so genannten „Insulinresistenz“. Zudem ist Magnesium unerlässlich für die Verstoffwechselung des Zuckers in den Körperzellen.6–10

Bei Diabetikern wird häufig Magnesiummangel festgestellt

In Studien wurde bei bis zu 50 % der Diabetiker ein Magnesiummangel festgestellt11, zum Teil sogar bei bis zu 77 %12. Dahinter können mehrere Ursachen stecken: Zum einen ist bei Diabetikern die Magnesiumausscheidung über den Urin erhöht, d. h. Diabetiker verlieren aufgrund ihrer Erkrankung Magnesium. Zum anderen ist bei vielen Diabetikern die Magen-Darm-Motorik beeinträchtigt, so dass sie Magnesium aus der Nahrung nicht mehr optimal aufnehmen.11 Ein dritter Faktor ist, dass viele Patienten im Rahmen der Therapie abnehmen müssen und durch die Diät insgesamt weniger Nährstoffe aufnehmen – so auch Magnesium.

Magnesiummangel kann diabetische Folgeerkrankungen fördern

Bei einer schlechten Magnesiumversorgung von Diabetikern muss mit einem vermehrten Auftreten von diabetischen Spätkomplikationen gerechnet werden, z. B. diabetische Nephropathie (Nierenerkrankung)13–15, Polyneuropathie (Nervenschädigung)5, Retinopathie (Erkrankung der Augennetzhaut)15, 16 und Depressionen.17, 18 Auch ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist bei Magnesiummangel zu erwarten.19 Der Grund, warum ein Magnesiummangel solche Spätfolgen des Diabetes begünstigt, ist vor allem in den wichtigen Funktionen des Magnesiums für gesunde Blutgefäße und einen normalen Blutfluss sowie Blutdruck zu sehen.

Magnesium verbessert Insulinresistenz und Blutzuckereinstellung

Studien haben gezeigt, dass sich die Insulinresistenz der Körperzellen durch Einnahme von Magnesium verbessern lässt. Das heißt, die Körperzellen reagieren wieder stärker auf körpereigenes Insulin. Der Ausgleich eines Magnesiummangels ermöglicht so eine bessere Blutzuckereinstellung. Dies konnte sowohl bei Personen nachgewiesen werden, die eine Insulinresistenz noch ohne manifesten Diabetes aufweisen, als auch bei Patienten mit bereits manifester Diabetes-Erkrankung.20–27 Wichtig erscheint dabei eine ausreichend lange Einnahmedauer von mindestens 4 Monaten.26 Da Diabetiker aber ständig Magnesium über den Urin verlieren, sollte die Einnahme am besten dauerhaft erfolgen.


Literatur

  1. Deutscher Gesundheitsbericht Diabetes 2024. Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) und diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe (Hrsg.); ISSN 1614824X; https://www.ddg.info/fileadmin/user_upload/Gesundheitsbericht_2024_Endversion.pdf (abgerufen am 08.09.2025).
  2. Larsson SC, Wolk A. Magnesium intake and risk of type 2 diabetes: a meta-analysis. J Intern Med 2007; 262: 208–214
  3. Dong JY et al. Magnesium intake and risk of type 2 diabetes: meta-analysis of prospective cohort studies. Diabetes Care 2011; 34: 2116–2122
  4. Xu T et al. Nonlinear Reduction in Risk for Type 2 Diabetes by Magnesium Intake: An Updated Meta-Analysis of Prospective Cohort Studies. Biomed Environ Sci 2015; 28: 527–534
  5. Zhao B et al. Association of magnesium intake with type 2 diabetes and total stroke: an updated systematic review and meta-analysis. BMJ Open 2020; 10: e032240
  6. Wells IC. Evidence that the etiology of the syndrome containing type 2 diabetes mellitus results from abnormal magnesium metabolism. Can J Physiol Pharmacol 2008; 86: 1624
  7. Barbagallo M, Dominguez LJ. Magnesium and type 2 diabetes. World J Diabetes 2015; 6: 11521157
  8. Gommers LM et al. Hypomagnesemia in Type 2 Diabetes: A Vicious Circle? Diabetes 2016; 65: 3–13
  9. Das UN, Beneficial actions of magnesium in metabolic syndrome: Why and how? Nutrition 2016; 32: 1308–1310
  10. Kostov K. Effects of Magnesium Deficiency on Mechanisms of Insulin Resistance in Type 2 Diabetes: Focusing on the Processes of Insulin Secretion and Signaling. Int J Mol Sci 2019; 20: pii: E1351
  11. Pham P-C T et al.Hypomagnesemia in Patients with Type 2 Diabetes. Clin J Am Soc Nephrol 2007; 2: 366–373
  12. Sales CH et al. Influence of magnesium status and magnesium intake on the blood glucose control in patients with type 2 diabetes. Clin Nutr 2011; 30: 359–364
  13. Pham PC et al. Lower serum magnesium levels are associated with more rapid decline of renal function in patients with diabetes mellitus type 2. Clin Nephrol 2005; 63: 429436
  14. Pham PC et al. The link between lower serum magnesium and kidney function in patients with diabetes mellitus Type 2 deserves a closer look. Clin Nephrol 2009; 71: 375379
  15. Zhang Y et al. Association between serum magnesium and common complications of diabetes mellitus. Technol Health Care 2018; 26 (S1): 379–387
  16. Von Ehrlich B, Wadepuhl M. Erhöhtes Risiko einer diabetischen Retinopathie bei niedrigem Serum-Magnesium - Meta-Analyse und Perspektiven eines epidemiologischen Zusammenhangs. Diabetes und Stoffwechsel 2003; 12: 285289
  17. Barragan-Rodríguez L et al. Depressive symptoms and hypomagnesemia in older diabetic subjects. Arch Med Res 2007; 38: 752–756
  18. Barragán-Rodríguez L et al. Efficacy and safety of oral magnesium supplementation in the treatment of depression in the elderly with type 2 diabetes: a randomized, equivalent trial. Magnes Res 2008; 21: 218–223
  19. von Ehrlich B et al. Die Bedeutung von Magnesium für Insulinresistenz, metabolisches Syndrom und Diabetes mellitus – Empfehlungen der Gesellschaft für Magnesium-Forschung e.V. Diabetologie 2014; 9: 96100
  20. Veronese N et al. Oral Magnesium Supplementation for Treating Glucose Metabolism Parameters in People with or at Risk of Diabetes: A Systematic Review and Meta-Analysis of Double-Blind Randomized Controlled Trials. Nutrients 2021; 13: 4074
  21. Guerrero-Romero F et al. Oral Magnesium supplementation improves insulin sensitivity in non-diabetic subjects with insulin resistance. A double-blind placebo-controlled randomized trial. Diabetes Metab 2004; 30: 253–258
  22. Hadjistavri LS et al. Benefcial effects of oral magnesium supplementation on insulin sensitivity and serum lipid profile. Med Sci Monit 2010; 16: CR307–CR312
  23. Mooren FC et al. Oral magnesium supplementation reduces insulin resistance in non-diabetic subjects – a double-blind, placebo-controlled, randomized trial. Diabetes, Obesity and Metabolism 2011; 13: 281–284
  24. Rodríguez-Moran M, Guerrero-Romero F. Oral magnesium supplementation improves the metabolic profile of metabolically obese, normal-weight individuals: a randomized double-blind placebo-controlled trial. Arch Med Res 2014; 45: 388393
  25. Guerrero-Romero F et al. Oral magnesium supplementation improves glycaemic status in subjects with prediabetes and hypomagnesaemia: A double-blind placebo-controlled randomized trial. Diabetes Metab 2015; 41: 202–207
  26. Simental-Mendía LE et al. A systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials on the effects of magnesium supplementation on insulin sensitivity and glucose control. Pharmacol Res 2016; 111: 272–282
  27. ELDerawi WA et al. The Effects of Oral Magnesium Supplementation on Glycemic Response among Type 2 Diabetes Patients. Nutrients 2018; 11: pii: E44