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Magnesium und Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Nach Daten der Deutschen Hochdruckliga sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen für 33 % der Todesfälle in Deutschland verantwortlich. Risikofaktor Nr. 1 für Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist Bluthochdruck, medizinisch „Hypertonie“. Von zu hohem Blutdruck sind in Deutschland wiederum rund 30 Millionen Menschen betroffen.1, 2

Ursache ist bei den meisten Hypertonikern eine angeborene Veranlagung, zusätzlich kann sich ein ungesunder Lebensstil negativ auswirken: Übergewicht, Rauchen, Stress, Alkoholkonsum, zu viel Sitzen und ungünstige Ernährung mit hohem Salzgehalt – typische Kennzeichen einer „modernen“ Lebensweise.

Bluthochdruck ist so gefährlich, weil er in den meisten Fällen lange unbemerkt bleibt: Viele Betroffene wissen nichts von ihrer Erkrankung, da leicht oder mäßig erhöhter Bluthochdruck zunächst keine Beschwerden verursacht. Daher gibt es viele unbehandelte Patienten, nur etwa bei der Hälfte ist die Erkrankung gut unter Kontrolle. Allerdings ist das Risiko für Folgeerkrankungen wie Herzinfarkte oder Schlaganfälle deutlich erhöht. Auch Nieren- und Augenschäden können in der Folge auftreten. 

Die gute Nachricht ist: Bluthochdruck kann in den meisten Fällen gut behandelt werden.

Welche Rolle spielt Magnesium im Gefäßsystem?

Magnesium beeinflusst eine ganze Reihe von Blutdruck-regulierenden Mechanismen, unter anderem wirkt es einer überhöhten Gefäßreaktivität und einem gesteigerten Gefäßtonus entgegen. Das heißt, Magnesium sorgt durch seine entspannende Wirkung auf die Muskulatur in den Wänden der Blutgefäße dafür, dass die Gefäße nicht zu steif werden und Schwankungen des Blutdrucks flexibel abfangen können. Ebenso bewirkt Magnesium eine Abschwächung der Wirkung von Stresshormonen wie Adrenalin und Noradrenalin.

Umgekehrt führt ein Magnesiummangel deshalb aber zu einer Steigerung des Blutdrucks.3 Zahlreiche wissenschaftliche Erhebungen zeigen, dass eine höhere Magnesiumzufuhr mit einem geringeren Auftreten von Bluthochdruck verbunden ist.4, 5 Ebenso zeigte sich, dass Hypertoniker, bei denen zusätzlich ein Magnesiummangel vorliegt, eine stärkere Blutdruck-senkende Medikation benötigen, um den Blutdruck im gewünschten Bereich zu halten, als Hypertoniker mit einem guten Magnesiumstatus.6

Welche Wirkung hat Magnesium auf den Blutdruck?

Die Blutdruck-senkende Wirkung von Magnesium konnte in den letzten Jahren in mehreren Meta-Analysen bestätigt werden (z. B. 7-9); in einer Meta-Analyse werden die Daten aus mehreren wissenschaftlichen Studien zusammenfassend ausgewertet. Insbesondere bei Personen mit Bluthochdruck, die bereits behandelt wurden, bewirkte eine Magnesiumeinnahme eine starke Senkung des Blutdrucks um 8-19 mm Hg (Systole) bzw. 3-11 mm Hg (Diastole). Auch bei Patienten mit Magnesiummangel sowie bei Diabetikern lassen sich mit oraler Magnesiumeinnahme starke Blutdruck-senkende Effekte erreichen. 

Dabei ist bereits eine Verminderung der Systole um rund 2 mm Hg mit einer geringeren Häufigkeit von koronaren Herzerkrankungen, Herzinsuffizienz und Schlaganfall verbunden und damit für die Patienten als sehr wertvoll einzuschätzen.10 

Eine natürliche und praktisch nebenwirkungsfreie Maßnahme stellt die Magnesiumgabe bei einer Grenzwerthypertonie dar. Als Grenzwerthypertonie werden im Allgemeinen Blutdruckwerte von 140-149 mm Hg systolisch und 90-95 mm Hg diastolisch bezeichnet. Bei diesen Patienten kann der Blutdruck durch eine Magnesiumgabe ebenfalls wirkungsvoll gesenkt werden (z. B. 11, 12).

Aus den vorliegenden Studiendaten lässt sich ableiten, dass die Blutdruck-senkende Wirkung von Magnesium mit steigender Dosis zunimmt und relevante Effekte ab etwa 300 mg Magnesium täglich über mindestens 4 Wochen zu erwarten sind. Die Gesellschaft für Magnesium-Forschung e.V. empfiehlt deshalb eine Überprüfung des Magnesiumstatus bei allen Hypertonikern und im Bedarfsfall eine Einnahme von 300-600 mg Magnesium pro Tag.13 Dabei kann Magnesium problemlos begleitend zu den üblichen blutdrucksenkenden Arzneimitteln eingesetzt werden. Dies ist insbesondere bei den häufig eingesetzten Diuretika empfehlenswert, da diese zu erhöhten Magnesiumverlusten über den Urin führen. 

Magnesium und Atherosklerose/koronare Herzkrankheit (KHK)

Als Atherosklerose werden krankhafte Einlagerungen von Cholesterin und anderen Fetten in die innere Wandschicht von Blutgefäßen (Arterien) bezeichnet, sie ist ein entzündlicher Prozess. Umgangssprachlich ist oft von Arterienverkalkung die Rede. 

In experimentellen Studien konnte gezeigt werden, dass Magnesium verschiedenen Prozessen der Gefäßverkalkung entgegenwirkt, umgekehrt begünstigt ein Magnesiummangel die Entstehung von Ablagerungen in den Blutgefäßen. Dies zeigen auch die Ergebnisse großer Beobachtungsstudien: Eine niedrigere Magnesiumzufuhr bzw. eine schlechtere Magnesiumversorgung sind mit einer höheren Gefäßwanddicke als Ausdruck für die Atherosklerose verbunden. Dies wirkt sich wiederum verstärkend auf das Risiko für die Entwicklung von koronaren Herzerkrankungen aus. (z. B. 5, 14-16)

In mehreren Studien wirkte sich die Magnesiumgabe bei Patienten mit koronaren Herzerkrankungen positiv aus, insbesondere konnte die Gefäßsteifigkeit und Parameter des Fettstoffwechsels verbessert werden. (z. B. 17-19)

Stehen Herzrhythmusstörungen im Zusammenhang mit Magnesium?

Es ist seit langem bekannt, dass ein Magnesiummangel zu erheblichen Störungen der elektrischen Vorgänge an den Herzmuskelzellen führt. Dies begünstigt die Übererregbarkeit von Herzmuskelzellen und dadurch die Entstehung von Herzrhythmusstörungen.20 Insbesondere wurden Vorhofflimmern und Extrasystolen (Herzschläge außerhalb des normalen Rhythmus, „Herzstolpern“) beobachtet.

Eine ausreichende Magnesiumversorgung ist vor allem vorbeugend für Patienten sinnvoll, die bereits an Herz-Kreislauf-Erkrankungen leiden; Sie haben aufgrund ihrer Grunderkrankungen ein höheres Risiko für Herzrhythmusstörungen, zudem werden bei ihnen häufig Magnesiumdefizite beobachtet.21, 22 

Wichtige Wirkungen von Magnesium in der Prävention und Behandlung von Herzrhythmusstörungen sind die Aufrechterhaltung des Elektrolytgleichgewichts der Herzmuskelzellen, eine Verminderung der Erregbarkeit von Herzmuskelzellen, seine Wirkung als Gegenspieler von Calcium und eine Reduktion der Freisetzung von Stresshormonen wie Adrenalin.20 Letzteres ist für Herzpatienten besonders wichtig. Unter Stress verliert der Körper ohnehin vermehrt Magnesium, dies ist aber bei Herzkranken im Vergleich zu gesunden Personen nochmals erhöht.


Literatur

  1. Deutsche Hochdruckliga – Presseinformation Bluthochdruck in Zahlen. https://www.hochdruckliga.de/presse/informationen/bluthochdruck-in-zahlen, abgerufen am 27.11.2025
  2. Deutsche Hochdruckliga – Presseinformation Experten-Sprechstunde zum Welthypertonietag 2024. https://www.hochdruckliga.de/pressemitteilung/bluthochdruck-der-stille-saboteur-bundesweite-experten-sprechstunde-am-15-mai-zum-welthypertonietag-2024, abgerufen am 27.11.2025

  3. DiNicolantonio JJ et al. Magnesium for the prevention and treatment of cardiovascular disease. Open Heart 2018; 5(2): e000775

  4. Han H et al. Dose-response relationship between dietary magnesium intake, serum magnesium concentration and risk of hypertension: a systematic review and meta-analysis of prospective cohort studies. Nutr J 2017; 16: 26

  5. Wu J et al. Circulating magnesium levels and incidence of coronary heart diseases, hypertension, and type 2 diabetes mellitus: a meta-analysis of prospective cohort studies. Nutr J 2017; 16: 60

  6. Whang R et al. Hypomagnesemia and hypokalemia in 1,000 treated ambulatory hypertensive patients. J Am Coll Nutr 1982; 1: 317-322

  7. Zhang X et al. Effects of Magnesium Supplementation on Blood Pressure: A Meta-Analysis of Randomized Double-Blind Placebo-Controlled Trials. Hypertension 2016; 68: 324-333

  8. Dibaba DT et al.  The effect of magnesium supplementation on blood pressure in individuals with insulin resistance, prediabetes, or noncommunicable chronic diseases: a meta-analysis of randomized controlled trials. Am J Clin Nutr 2017; 106: 921-929

  9. Argeros Z et al. Magnesium Supplementation and Blood Pressure: A Systematic Review and Meta-Analysis of Randomized Controlled Trials. Hypertension 2025; 82(11): 1844-1856

  10. ALLHAT Officers and Coordinators for the ALLHAT Collaborative Research Group. Major outcomes in high-risk hypertensive patients randomized to angiotensin-converting enzyme inhibitor or calcium channel blocker vs diuretic: the Antihypertensive and Lipid-Lowering Treatment to Prevent Heart Attack Trial (ALLHAT). JAMA 2002; 288: 2981-2997

  11. Kisters K. Oral magnesium supplementation improves borderline hypertension. Magnes Res 2011; 24: 17

  12. Hatzistavri LS et al. Oral magnesium supplementation reduces ambulatory blood pressure in patients with mild hypertension. Am J Hypertens 2009; 22(10): 1070-1075

  13. Kisters K et al. Magnesiumhaushalt und -therapie bei Hypertonie. Empfehlungen der Gesellschaft für Magnesium-Forschung e.V. Nieren Hochdruckkrankh 2020; 49: 245-251

  14. Kieboom BC et al. Serum Magnesium and the Risk of Death From Coronary Heart Disease and Sudden Cardiac Death. J Am Heart Assoc 2016; 5: pii: e002707

  15. Posadas-Sanchez R et al. Serum magnesium is inversely associated with coronary artery calcification in the Genetics of Atherosclerotic Disease (GEA) study. Nutr J 2016; 15: 22

  16. Del Gobbo LC et al. Circulating and dietary magnesium and risk of cardiovascular disease: a systematic review and meta-analysis of prospective studies. Am J Clin Nutr 2013; 98: 160-173

  17. Darooghegi Mofrad M et al. Effect of magnesium supplementation on endothelial function: A systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. Atherosclerosis 2018; 273: 98-105

  18. Joris PJ et al. Long-term magnesium supplementation improves arterial stiffness in overweight and obese adults: results of a randomized, double-blind, placebo-controlled intervention trial. Am J Clin Nutr 2016; 103: 1260-1266

  19. Rasmussen HS et al. Influence of magnesium substitution therapy on blood lipid composition in patients with ischemic heart disease. A double-blind, placebo controlled study. Arch Intern Med 1989; 149: 1050-1053

  20. Vierling W et al. Magnesiummangel und Magnesiumtherapie bei Herzrhythmusstörungen. Empfehlungen der Gesellschaft für Magnesium-Forschung e.V. Dtsch Med Wochenschr 2013; 138: 1165-1171

  21. Shah SA et al. The impact of magnesium sulfate on serum magnesium concentrations and intracellular electrolyte concentrations among patients undergoing radio frequency catheter ablation. Conn Med 2008; 72: 261-265

  22. Ceremuzyński L et al. Hypomagnesemia in heart failure with ventricular arrhythmias. Beneficial effects of magnesium supplementation. J Intern Med 2000; 247: 78-86