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Magnesium und Migräne

Nach einer Erhebung aus dem Jahr 2020 sind knapp 60 % der Frauen und rund 45 % der Männer in Deutschland mindestens einmal im Jahr von Kopfschmerzen betroffen. Die kompletten Kriterien für Migräne erfüllen 15 % der Frauen und 6 % der Männer. Eine Migräne wird diagnostiziert, wenn eine Person mindestens fünf Attacken im Lauf ihres Lebens hatte, die Attacken 4-72 Stunden andauerten, mindestens 2 von 4 Kopfschmerzkriterien zutrafen (einseitiger / pulsierender Schmerz / mindestens moderate Intensität / Verstärkung durch körperliche Aktivität) und mindestens eine Begleiterscheinung auftrat (Übelkeit oder Erbrechen bzw. übermäßige Geräusch- oder Lichtempfindlichkeit). Gemessen am Verlust an gesunder Lebenszeit stellt Migräne für die Betroffenen eine enorme Krankheitslast dar.1

Die verfügbaren Optionen für Prävention und Behandlung von Migräne sind für die Patienten häufig nicht zufriedenstellend.

Warum Magnesium bei Migräne?

Die genauen Mechanismen der Entstehung und Ursachen von Migräne sind noch nicht aufgeklärt. Es gibt allerdings zahlreiche Hinweise, dass ein Magnesiummangel Migräneanfälle begünstigen kann.

Eine Vielzahl an Studien zeigt bei Migränepatienten deutlich erniedrigte Magnesiumspiegel im Vergleich zu gesunden Personen, im Blutserum, in den Zellen und auch im Liquor (Gehirn- und Rückenmarksflüssigkeit).2 Ebenso wurden speziell auch während Migräneattacken reduzierte Magnesiumspiegel festgestellt. Es wird daher angenommen, dass erniedrigte Magnesiumkonzentrationen im Gehirn die Schwelle für Migräneanfälle herabsetzen.3

Ein Magnesiummangel kann als Triggerfaktor für Migräneattacken bezeichnet werden. Hier spielt auch Stress als bekannter Auslöser von Migräne eine Rolle: Stress führt zu erhöhten Magnesiumverlusten über die Nieren und umgekehrt erhöht ein Magnesiummangel die Stressempfindlichkeit.4

Welche Wirkung hat Magnesium bei Migräne?

Migräneattacken werden durch Gefäßspasmen ausgelöst, also von Krämpfen der Muskulatur der Gefäßwände. Die gefäßstabilisierenden und muskelentspannenden Eigenschaften von Magnesium sowie dessen Notwendigkeit im Energiestoffwechsel sind bekannt. Daher ist es einleuchtend, dass der Mineralstoff zu einer Entspannung der Gefäßmuskulatur, einer verbesserten Durchblutungssituation und einem besseren Energiestoffwechsel im Gehirn beitragen und dadurch Migräneanfälle mildern kann.3, 5, 6

In mehreren klinischen Studien konnten Schwere, Dauer und Häufigkeit von Migräneanfällen durch die Gabe von Magnesiumpräparaten reduziert werden7, 8, 9, auch bei Frauen mit prämenstrueller Migräne.10 Nicht alle vorliegenden Studien liefern eindeutige Daten, in einer Meta-Analyse über 11 Studien (zusammenfassende Auswertung der Daten aus mehreren Studien) wurden jedoch günstige Effekte einer Magnesiumgabe bei Migränepatienten bestätigt. Dies gilt auch für die präventive Anwendung von Magnesium: Häufigkeit und Intensität von Migräneattacken konnten vermindert werden.11
Hinsichtlich der Dosierung ergibt sich aus den vorliegenden Studien, dass Magnesium bei Migränepatienten ausreichend hoch dosiert eingesetzt werden sollte: Positive Wirkungen wurden bei Einnahme von 360-600 mg Magnesium täglich erzielt.

In der Migräne-Leitlinie der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft und der Deutschen Gesellschaft für Neurologie wird Magnesium immerhin als Mittel 2. Wahl eingestuft.12 Zahlreiche weitere Publikationen empfehlen Magnesium als Migräneprophylaxe13, 14, 15 oder eine generelle Gabe für alle Migränepatienten.16 Dabei kann Magnesium problemlos in das multimodale Therapiekonzept bei Migräne integriert werden.11 Ein großer Vorteil von Magnesium im Vergleich zu herkömmlichen Migränemitteln ist die hohe Sicherheit des Mineralstoffs, der auch bei besonders verletzlichen Personengruppen wie Kindern, Schwangeren oder Stillenden unbedenklich einsetzbar ist.


Literatur:

  1. Porst M et al. Migräne und Spannungskopfschmerz in Deutschland. Prävalenz und Erkrankungsschwere im Rahmen der Krankheitslast-Studie BURDEN 2020. J Health Monit 2020; 5(S6): 2- 26

  2. Dominguez LJ et al. Magnesium and Migraine. Nutrients 2025; 17: 725

  3. Sun-Edelstein C, Mauskop A. Role of magnesium in the pathogenesis and treatment of migraine. Expert Rev Neurother 2009; 9: 369-379

  4. Grases G et al. Anxiety and stress among science students. Study of calcium and magnesium alterations. Magnes Res 2006; 19: 102-106

  5. Mauskop A, Altura BM. Role of magnesium in the pathogenesis and treatment of migraines. Clin Neurosci 1998; 5: 24-27

  6. Taubert K. Magnesium bei Migräne. Zeitschr Orthomol Med 2004; 2: 15-20

  7. Peikert A et al. Prophylaxis of migraine with oral magnesium: results from a prospective, multi-center, placebo-controlled and double-blind randomized study. Cephalalgia 1996; 16: 257-263

  8. Köseoglu E et al. The effects of magnesium prophylaxis in migraine without aura. Magnes Res 2008; 21: 101-108

  9. Demirkaya S et al. Comparative study of magnesium, flunarizine and amitriptyline in the prophylaxis of migraine. J Headache Pain 2000; 1: 179-186

  10. Facchinetti F et al. Magnesium prophylaxis of menstrual migraine: effects on intracellular magnesium. Headache 1991; 31: 298-301

  11. Chiu HY et al. Effects of Intravenous and Oral Magnesium on Reducing Migraine: A Meta-analysis of Randomized Controlled Trials. Pain Physician 2016; 19: E97-E112

  12. Diener HC et al. Therapie der Migräneattacke und Prophylaxe der Migräne, S1-Leitlinie. DGN und DMKG, in: Deutsche Gesellschaft für Neurologie (Hrsg.). Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. 2025

  13. Hoffmann J, Reuter U. Therapie und Prophylaxe der Migräne. So werden schwere Attacken leichter erträglich. MMW-Fortschr Med 2009; 151: 114-117

  14. Pardutz A, Vecsei L. Should magnesium be given to every migraineur? J Neural Transm 2012; 119: 581-585

  15. Rybicka M et al. The role of magnesium in migraine pathogenesis. Potential use of magnesium compounds in prevention and treatment of migraine headaches. J Elem 2012; 17: 345-356

  16. Mauskop A, Varughese J. Why all migraine patients should be treated with magnesium. J Neural Transm 2012; 119: 575-579