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Behandlung von Magnesiummangel

Wenn ein Magnesiummangel besteht, lässt sich dieser in der Regel nicht allein durch eine magnesiumreiche Ernährung ausgleichen, so dass entsprechende Magnesiumpräparate erforderlich sind. Zur Behandlung eines Magnesiummangels stehen magnesiumhaltige Arzneimittel aus der Apotheke zur Verfügung. 

Wie hoch ist die empfohlene Dosierung?

Zur Behandlung von Magnesiummangel kommen üblicherweise Tagesdosierungen im Bereich von 243–486 mg (= 10–20 mmol) zum Einsatz. Als eine Art Standarddosierung gelten 365 mg (= 15 mmol) pro Tag.1–4 Im Einzelfall können auf ärztliche Anweisung auch höhere Tagesdosierungen zum Einsatz kommen.5 Aus pragmatischer Sicht kann die Tagesdosierung bei schwerem Magnesiummangel bis zur Durchfallgrenze gesteigert werden. Wenn Durchfall auftritt, empfiehlt es sich, die Dosierung kurzzeitig zu reduzieren und anschließend wieder zu erhöhen. Im Normalfall gewöhnt sich nämlich der Magen-Darm-Trakt im Laufe der Zeit an höhere Magnesiummengen. 

Wie lange sollte Magnesium eingenommen werden?

Grundsätzlich ist die erforderliche Einnahmedauer vom Ausmaß des Magnesiummangels abhängig. Es sollte mit einer Behandlungsdauer von 6–8 Wochen geplant werden, teilweise kann es aber auch mehrere Monate dauern, bis ein Magnesiummangel ausgeglichen ist und die Körperspeicher aufgefüllt sind, auch wenn eine erste Besserung der Beschwerden häufig schon nach einigen Tagen möglich ist. Dies ist jedoch auch vom Ausmaß des Magnesiummangels abhängig. In klinischen Studien wurden positive Effekte einer Magnesiumeinnahme teilweise auch erst nach 3–6 Monaten beobachtet. Wenn die Ursache des Magnesiummangels chronischer Natur ist (z. B. Diabetes mellitus, dauerhafte Einnahme von Diuretika), ist eine kontinuierliche Magnesiumeinnahme sinnvoll, um die Verluste zu kompensieren.

Sollte Magnesium zu oder unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen werden?

Bestimmte Bestandteile der Nahrung können die Aufnahme von Magnesium aus dem Darm in das Blut stören. Dazu gehören insbesondere Phytate (enthalten vor allem in Vollkornprodukten, Nüssen, Naturreis, Hülsenfrüchten, etc.) und Phosphate (enthalten z. B. in Limonaden, Wurstwaren). Aufgrund dessen wäre es optimal, Magnesium etwa 1 Stunde vor dem Essen einzunehmen. Nach dem Essen sollte der Abstand mindestens 2–3 Stunden betragen. Allerdings ist eine disziplinierte, regelmäßige Einnahme in der empfohlenen Dosierung für den Therapieerfolg deutlich wichtiger als die Einnahme zu oder unabhängig von den Mahlzeiten. Zum Zweck der bloßen Nahrungsergänzung, wenn also kein Magnesiummangel behandelt werden muss, spielt die Einnahme zu oder unabhängig von den Mahlzeiten ohnehin eine eher untergeordnete Rolle.

Zu welcher Tageszeit sollte Magnesium eingenommen werden?

Wissenschaftlich liegen keine Hinweise für einen optimalen Tageszeitpunkt der Einnahme vor, die Einnahme kann daher nach den individuellen Bedürfnissen morgens, mittags oder abends erfolgen. Für eine gute Bioverfügbarkeit, d. h. Aufnahme in das Blut, sollte die Tagesdosis zum Zweck der Behandlung eines Magnesiummangels ohnehin auf 2–3 Einnahmen aufgeteilt werden. Zum Zweck der Nahrungsergänzung spielt dieser Aspekt keine relevante Rolle. Bei Patienten mit Problemen in der Nacht wie nächtliche Wadenkrämpfe oder Schlafstörungen kann es sinnvoll sein, die letzte (und größte) Magnesiumdosis kurz vor dem Schlafengehen einzunehmen. Wenn bestimmte Antibiotika (Tetrazykline) oder Natriumfluorid-Präparate eingenommen werden müssen, sollte die Magnesiumeinnahme 2–3 Stunden versetzt dazu erfolgen.

Können Nebenwirkungen auftreten?

Die einzige Nebenwirkung der oralen Magnesiumeinnahme ist eine Aufweichung des Stuhls bzw. leichter Durchfall bei entsprechend hoher Dosierung. Bisweilen wird diese leicht abführende Wirkung sogar als wünschenswert empfunden. Ob eine unangenehme Stuhlaufweichung auftritt, kann individuell extrem unterschiedlich sein; während manche Personen Tagesdosierungen bis zu 900 mg problemlos vertragen, reagieren andere bereits bei deutlich geringeren Mengen mit leichtem Durchfall. Wenn Durchfall auftritt, sollte die Dosierung verringert und nach ein paar Tagen versucht werden, wieder auf die gewünschte Tagesdosis zu erhöhen. Auch eine Aufteilung der gesamten Tagesdosis auf mehrere Einzeleinnahmen pro Tag hilft, die Neigung zu Durchfall zu reduzieren. Magnesiumbedingter Durchfall besitzt grundsätzlich keinen Krankheitswert und ist schnell reversibel. 

Wann sollte Magnesium nur nach ärztlicher Rücksprache eingenommen werden?

Die überwiegende Mehrzahl der Menschen kann Magnesium in den üblichen Dosierungsbereichen problemlos ohne ärztliche Rücksprache einnehmen. Magnesium sollte nur dann nicht eingenommen werden, wenn die Nierenfunktion stark eingeschränkt ist (Niereninsuffizienz mit einer glomerulären Filtrationsrate (GFR) von <30 ml/min) oder wenn eine Austrocknung des Körpers (Exsikkose) vorliegt. Bei leichter bis mittelschwerer Einschränkung der Nierenfunktion sollte die Einnahme mit dem Arzt abgesprochen und am besten die Magnesiumkonzentration im Blutserum überwacht werden. 

Was ist sonst noch zu beachten?

Die Darreichungsform des Magnesiumpräparats wie Dragées, Tabletten, Kapseln, Granulat oder Pulver zum Trinken, Direkt-Granulat, etc. spielt aus medizinischer Sicht keine Rolle, da Magnesium erst im Dünndarm aufgenommen wird. Somit kann es jedem Einzelnen überlassen bleiben, welche Darreichungsformen bevorzugt werden. Wichtig ist, dass eine möglichst disziplinierte und regelmäßige Einnahme bewerkstelligt werden kann.


Literatur

  1. Vierling W et al. Magnesiummangel und Magnesiumtherapie bei Herzrhythmusstörungen. Empfehlungen der Gesellschaft für Magnesium-Forschung e.V. Dtsch Med Wochenschr 2013; 138: 11651171
  2. de Baaij JH et al.Magnesium in man: Implications for health and disease. Physiol Rev 2015; 95: 146
  3. Fawcett WJ et al. Magnesium: physiology and pharmacology. Br J Anaesth 1999; 83: 302320
  4. Weisinger R, Bellorin-Font E. Magnesium and phosphorus. The Lancet 1998; 352: 391396
  5. Classen HG. Magnesium. In: Biesalski HK, Köhrle J, Schümann K (Hrsg.). Vitamine, Spurenelemente und Mineralstoffe. Thieme, Stuttgart, 2002; 132137