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Wie lässt sich ein Magnesiummangel erkennen?

Leider besitzt die üblicherweise gemessene Gesamt-Magnesiumkonzentration im Blutserum oder -plasma nur eine begrenzte Aussagekraft zur Beurteilung der Magnesiumversorgung. Zwar sind erniedrigte Werte (Hypomagnesiämie) ein klares Zeichen für einen Magnesiummangel; im Normbereich liegende Werte schließen einen Mangel in den Körperzellen jedoch nicht sicher aus.1–4 Dies liegt daran, dass die Körperspeicher (vor allem Knochen) in Mangelsituationen Magnesium in das Blut abgeben. Zudem befindet sich im Blutplasma lediglich 0,3 % des gesamten Körpermagnesiums. Das heißt: In den Körperzellen kann bereits ein Magnesiummangel vorhanden sein, obwohl der Magnesiumwert im Blut noch im normalen Bereich liegt. Erst wenn die Körperspeicher kein Magnesium mehr an das Blut abgeben können, sinkt auch der Magnesiumgehalt im Blutserum unter den Normbereich ab. Nach neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen sollte die Magnesiumkonzentration im Serum mindestens 0,85 mmol/l (= 2,07 mg/dl) betragen, da unterhalb dieses Wertes das Risiko für Krankheiten wie Diabetes mellitus oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen bereits deutlich ansteigt.5–7

Da also die Labordiagnostik nicht unbedingt eine zuverlässige Auskunft liefert, ob ein Magnesiummangel vorliegt, ist es umso wichtiger, auf die typischen Beschwerden eines Magnesiummangels zu achten: Treten ein oder gar mehrere Symptome auf, sollten Sie an die Möglichkeit eines Magnesiummangels denken. Auch die so genannte Anamnese (Abfrage der gesundheitlichen Vorgeschichte, Lebensumstände, etc.) spielt für die Diagnostik eine wichtige Rolle. So können das Vorliegen bestimmter Grunderkrankungen, z. B. Diabetes mellitus, Darmerkrankungen, die Einnahme bestimmter Arzneimittel wie Diuretika (Entwässerungsmittel) oder Protonenpumpenhemmer (Magenschutzmittel) sowie die Ernährungsweise (niedriger Anteil an naturbelassenen Nahrungsmitteln) bereits erste Hinweise für einen Magnesiummangel sein. 

Eine pragmatische und sehr effektive Vorgehensweise in der Diagnostik des Magnesiummangels ist die versuchsweise Einnahme von Magnesium: Wenn sich die Beschwerden dadurch bessern, ist dies der entscheidende Hinweis für einen (vorangegangenen) Magnesiummangel.8 Empfehlungen zur Durchführung einer Magnesiumtherapie finden Sie in der Rubrik „Behandlung von Magnesiummangel“.


Literatur

  1. Arnaud MJ. Update on the assessment of magnesium status. Br J Nutr 2008; 99 (Suppl 3): S24–S36
  2. Elin RJ. Assessment of magnesium status for diagnosis and therapy. Magnes Res 2010; 23: S194-S198
  3. Ismail Y et al. The underestimated problem of using serum magnesium measurements to exclude magnesium deficiency in adults; a health warning is needed for "normal" results. Clin Chem Lab Med 2010; 48: 323327
  4. Costello RB, Nielsen F. Interpreting magnesium status to enhance clinical care: key indicators. Curr Opin Clin Nutr Metab Care 2017; 20: 18
  5. Costello RB et al. Perspective: The Case for an Evidence-Based Reference Interval for Serum Magnesium: The Time Has Come. Adv Nutr 2016; 7: 977–993
  6. Micke O et al. Serum magnesium: time for a standardized and evidence-based reference range. Mag Res 2021; 34: 84–89
  7. Rosanoff A et al. Recommendation on an updated standardization of serum magnesium reference ranges. Eur J Nutr 2022; 61: 3697–3706
  8. Holtmeier HJ. Das Magnesiummangelsyndrom beim Menschen. In: Holtmeier HJ (Hrsg.), Magnesium und Calcium. Analytik, Physiologie, Pathophysiologie und Klinik. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH, Stuttgart, 1995