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Muskelkrämpfe und Verspannungen

Fast jeder kennt das: Aus heiterem Himmel zieht sich die Wade schmerzhaft zusammen und verkrampft. Manchmal sind auch die Muskeln der Oberschenkel, Zehen oder anderer Körperpartien von solchen Krämpfen betroffen. Sie gehören zu den häufigsten und bekanntesten Anzeichen für einen Magnesiummangel. Aus gutem Grund, denn Magnesium ist für die Muskel- und Nervenfunktion entscheidend. So wirkt der Mineralstoff einer übermäßigen Erregung von Muskeln und Nerven entgegen. Bei einem Magnesiummangel ist die Neigung zu Muskelkrämpfen dementsprechend erhöht.1, 2 Ähnlich verhält es sich mit Muskelverspannungen. Sie treten häufig im Schulter- und Nackenbereich auf und können durch einen Magnesiummangel ausgelöst oder verstärkt werden. 

Die erhöhte Krampfneigung bei Magnesiummangel kann im Übrigen auch die Gebärmuttermuskulatur betreffen. Viele Frauen leiden jeden Monat unter Regelschmerzen. Um diese Verkrampfungen nicht zu verstärken, ist es wichtig, auch auf eine ausreichende Magnesiumzufuhr zu achten.

Schlafstörungen

Bis zu 30 % aller Erwachsenen in Deutschland leiden unter Schlafstörungen. Probleme beim Einschlafen oder Durchschlafen sind für diese Menschen an der Tagesordnung. Der Schlaf verläuft bei Manchen auch zu oberflächlich – sie fühlen sich, als hätten sie „kein Auge zugemacht“, obwohl sie tatsächlich geschlafen haben. Mitverantwortlich für diese Beschwerden kann ein Magnesiummangel sein. Magnesiummangel führt zu Nervosität und innerer Unruhe, verstärkt Stressreaktionen, begünstigt psychische Erkrankungen (z. B. Depressionen, Angststörungen) und verursacht nächtliche Muskelverspannungen und -krämpfe.3 Insofern ist es plausibel, dass sich ein Magnesiumdefizit negativ auf die Schlafqualität auswirkt. Studien zufolge kann eine optimale Magnesiumversorgung die Schlafqualität deutlich verbessern, z. B. stiegen durch Magnesiumeinnahme die Tiefschlafphasen an; so wird der Schlaf tiefer und erholsamer.4 Auch eine Zunahme des Schlafhormons Melatonin und ein Rückgang des Stresshormons Cortisol wurde beobachtet, verbunden mit einer Verbesserung von subjektiven Parametern der Schlafqualität.5 Bei Neugeborenen war eine höhere Magnesiumkonzentration im Blutserum mit einem besseren und ruhigeren Schlaf verbunden.6 In einer Übersichtsarbeit wird bestätigt, dass die wissenschaftliche Datenlage für eine Wirksamkeit von Magnesium bei Schlafstörungen spricht, vor allem bei einem schlechten Magnesiumstatus.7

Nervosität und innere Unruhe

Wer kennt das nicht? Man mag gar nicht stillsitzen, ist mit den Gedanken ständig woanders, Hände und Füße sind laufend in Aktion und man spürt, wie eine innere Unruhe herrscht. Wer derartig „unter Strom“ steht, sollte an Magnesiummangel denken. Auch wenn es kaum bekannt ist: Nervosität und innere Unruhe können Anzeichen eines Magnesiummangels sein.3 Denn bei einem Magnesiummangel ist die Reizschwelle für Muskeln und Nerven herabgesetzt, d. h. wir „überreagieren“ leichter.2 Zudem werden bei Magnesiummangel mehr Stresshormone freigesetzt8 – ein weiterer Grund, warum der Ausgleich eines Magnesiummangels für mehr innere Ausgeglichenheit sorgen kann. Der Zusammenhang zwischen Magnesiummangel und Übererregbarkeit sollte auch bei hyperaktiven Kindern bedacht werden.

Kopfschmerzen und Migräne-Anfälligkeit

Die für Magnesiummangel typische allgemeine Übererregbarkeit von Organen und Geweben kann sich im Gehirn in Form von Spannungskopfschmerz (zum Teil wie ein „Ring um den Kopf“) und einer verstärkten Neigung zu Migräne äußern.3, 9 Bis zu 10 % der Bevölkerung sollen von Spannungskopfschmerzen betroffen sein. Solche Kopfschmerzen und insbesondere Migränekopfschmerz können den Alltag erheblich beeinträchtigen.

Muskelzuckungen und Tics

Wenn Muskelzuckungen auftreten, kann das sehr unangenehm sein. Oft sind es das Augenlid, manchmal sogar ganze Bereiche im Gesicht oder andere Muskelpartien des Körpers, die unkontrolliert zucken. Bewusst steuern kann man das nicht. Manchmal hält das Phänomen tagelang an. So genannte „Tics“ können entstehen, wenn dem Körper Magnesium fehlt. Die Erregbarkeit von Zellen und Geweben ist im Magnesiummangel erhöht, so dass das Zusammenspiel zwischen Muskeln und Nerven in Mitleidenschaft gezogen wird und es zu unkontrollierten Muskelkontraktionen kommen kann.2 Auffällig ist, dass diese Tics oft unter Stress auftreten. Der Körper setzt in dieser Ausnahmesituation vermehrt Magnesium frei, um die physiologischen Stressreaktionen zu dämpfen. Dadurch geht aber auch vermehrt Magnesium über den Urin verloren. Dauert der Stress länger an, kann ein Magnesiummangel entstehen.8

Herzbeschwerden

Unser Herz ist ein wahres Wunderwerk. Allein an einem Tag schlägt es 100.000-mal und pumpt mehrere Tonnen Blut durch die Gefäße. Das Herz ist ein kräftiger Muskel, der ständig in Aktion ist und gerade deshalb viel Magnesium braucht. Denn der Mineralstoff ist für die Energiebereitstellung im Körper unabdingbar. Ganz klar, dass unser Herz mit seinem „Dauer-Job“ sehr viel Energie benötigt. Zudem ist Magnesium wichtig für die Muskelfunktion und die Steuerung der Muskeln über die Nerven. Bekommt unser Körper zu wenig Magnesium, kann es zu einer ganzen Reihe an Symptomen kommen, die das Herz und das gesamte Herz-Kreislauf-System betreffen, darunter Herzrhythmusstörungen, eine reduzierte Pumpfunktion des Herzens, Koronarspasmen (Verengung der Blutgefäße im Herz), Bluthochdruck und eine beschleunigte Arteriosklerose (Verkalkung der Blutgefäße).3, 10, 11 Bei diesen Symptomen ist es wichtig, mit dem Arzt zu sprechen und an eine ausreichende Magnesiumzufuhr zu denken.

Reizdarmbeschwerden

Nicht nur Wadenkrämpfe, sondern auch Krämpfe im Magen-Darm-Bereich können auf einen Magnesiummangel zurückzuführen sein.3, 10 Beim so genannten „Reizdarm“ spielen die empfindlichen Nerven des Magen-Darm-Bereichs buchstäblich verrückt. Es kommt zu diffusen Beschwerden wie Durchfall, oft im Wechselspiel mit Verstopfung oder auch Übelkeit und Erbrechen. Magnesium ist wichtig für Muskeln und Nerven und auch im Verdauungstrakt kommt es darauf an, dass Nerven und Muskeln optimal zusammenspielen. Darum lohnt es sich, bei diffusen Beschwerden und Magen-/Darmkrämpfen an einen möglichen Magnesiummangel zu denken. Wer unter Durchfall leidet, sollte zudem bedenken, dass durch die rasche Darmpassage weniger Magnesium aus der Nahrung aufgenommen werden kann. Dies fördert wiederum die Entstehung eines Magnesiummangels.

Angst und depressive Verstimmungen

Magnesium übt im Hirnstoffwechsel viele wichtige Funktionen aus. Ein Magnesiummangel kann deshalb zu neurologischen und neuropsychiatrischen Störungen führen wie z. B. depressiven Verstimmungen und Angstzuständen. Aber auch Konzentrationsstörungen, eine verringerte Gedächtnisleistung und ein gesteigertes Schmerzempfinden können die Folge sein.2, 3, 10

Erhöhte Neigung zu Diabetes

Magnesium ist unerlässlich für die Wirkung des Hormons Insulin, das für die Aufnahme von Glukose (Zucker) aus dem Blut in die Körperzellen sorgt. Zudem wird Magnesium für die weitere Verstoffwechselung von Glukose benötigt. Ein Magnesiummangel führt deshalb unweigerlich zu einer gestörten Glukosetoleranz, d. h. zu einem gestörten Abbau des Blutzuckers. Die Folge einer schlechten Magnesiumversorgung ist ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung eines Typ-2-Diabetes.12–16

Müdigkeit und Leistungsschwäche

Magnesium ist maßgeblich an der Energiegewinnung im Körper beteiligt. Ohne den Mineralstoff funktionieren viele Stoffwechselprozesse nicht, die dafür sorgen, dass Energie erzeugt und genutzt wird. Kein Wunder also, dass wir uns schlapp, müde, kraftlos und weniger leistungsfähig fühlen, wenn wir zu wenig Magnesium zuführen.3, 10 Auch bei Burn-out und Chronic-Fatigue-Syndrom (chronisches Müdigkeitssyndrom) sollte an die Möglichkeit eines Magnesiummangels gedacht werden, da dieser die Situation bei diesen Krankheitsbildern noch verschlimmern kann.

Weitere Anzeichen eines Magnesiummangels

Da Magnesium an etwa 80 % aller Stoffwechselreaktionen beteiligt ist17, kann sich ein Mangel „an allen Ecken und Enden“ bemerkbar machen. Abgesehen von den oben genannten Symptomen und Beschwerden sind u. a. noch folgende Auffälligkeiten möglich: 3, 10

  • Erhöhte Stressempfindlichkeit
  • Vorzeitige Wehen in der Schwangerschaft
  • Sensibilitätsstörungen wie Taubheitsgefühle, Kribbeln, etc. (Parästhesien)
  • Standunsicherheit und Störungen der Bewegungskoordination (Ataxie)
  • Sekundäre Elektrolytstörungen (Mangel an Kalium und Calcium)
  • Mangel an aktivem Vitamin D
  • Neigung zu Osteoporose
  • Neigung zu Nierensteinen (Calcium-Oxalat-Nierensteine)

Literatur

  1. Schindler R, Classen HG. Pathogenese und Therapie gutartiger Krämpfe der quergestreiften Muskulatur. Vitaminspur 1997; 12: 186194

  2. Stanojević M et al. The Impact of Chronic Magnesium Deficiency on Excitable Tissues-Translational Aspects. Biol Trace Elem Res 2025; 203: 707–728

  3. Micke O et al. Magnesium: Bedeutung für die hausärztliche Praxis – Positionspapier der Gesellschaft für Magnesium-Forschung e.V. Dtsch Med Wochenschr 2020; 145: 16281634

  4. Held K et al. Oral Mg(2+) supplementation reverses age-related neuroendocrine and sleep EEG changes in humans. Pharmacopsychiatry 2002; 35: 135–143

  5. Abbasi B et al. The effect of magnesium supplementation on primary insomnia in elderly: A double-blind placebo-controlled clinical trial. J Res Med Sci 2012; 17: 11611169

  6. Dralle D, Bödeker RH. Serum magnesium level and sleep behavior of newborn infants. Eur J Pediatr 1980; 134: 239–243

  7. Rawji A et al. Examining the Effects of Supplemental Magnesium on Self-Reported Anxiety and Sleep Quality: A Systematic Review. Cureus 2024; 16: e59317

  8. Pickering G et al. Magnesium Status and Stress: The Vicious Circle Concept Revisited. Nutrients 2020; 12: 3672

  9. Maier JA et al. Headaches and Magnesium: Mechanisms, Bioavailability, Therapeutic Efficacy and Potential Advantage of Magnesium Pidolate. Nutrients 2020; 12: 2660

  10. Gröber U et al. Magnesium in prevention and therapy. Nutrients 2015; 7: 81998226

  11. DiNicolantonio JJ et al. Subclinical magnesium deficiency: a principal driver of cardiovascular disease and a public health crisis. Open Heart 2018; 5: e000668

  12. Larsson SC, Wolk A. Magnesium intake and risk of type 2 diabetes: a meta-analysis. J Intern Med 2007; 262: 208214

  13. Dong JY et al. Magnesium intake and risk of type 2 diabetes: meta-analysis of prospective cohort studies. Diabetes Care 2011; 34: 2116–2122

  14. Dibaba DT et al. Dietary magnesium intake and risk of metabolic syndrome: a meta-analysis. Diabet Med 2014; 31: 1301–1309

  15. Xu T et al. Nonlinear Reduction in Risk for Type 2 Diabetes by Magnesium Intake: An Updated Meta-Analysis of Prospective Cohort Studies. Biomed Environ Sci 2015; 28: 527–534

  16. Zhao B et al. Association of magnesium intake with type 2 diabetes and total stroke: an updated systematic review and meta-analysis. BMJ Open 2020; 10: e032240

  17. Workinger JL et al. Challenges in the Diagnosis of Magnesium Status. Nutrients 2018; 10: 1202